Weblog der Malteser in Deutschland

Würde ist kein Konjunktiv

Bewohnerin im MalteserstiftAuf die Frage, was Würde sei, gab der Verhaltensforscher W. Wickler einmal die bissige Antwort: „Würde ist ein Konjunktiv“; was so viel heißt wie: Würde kann alles heißen und taugt für jede Argumentation. Das stimmt aber nur scheinbar und auf den ersten Blick.

Die einen berufen sich auf die Menschenwürde, wenn sie für die Möglichkeit der Euthanasie für unheilbar Kranke oder „menschenunwürdig“ Leidende streiten; die anderen halten genau das für eine Verletzung ihrer Würde. Die einen sind mit Verweis auf die Menschenwürde der Ungeborenen gegen Abtreibung; die anderen führen die Menschenwürde der Mütter für ihre Rechtmäßigkeit an. Wieder andere sprechen nicht von Menschen- sondern von „Personenwürde“ und knüpfen diese an bestimmte Voraussetzungen, wie Selbstbewusstsein oder andere Fähigkeiten, über die zum Beispiel ungeborene, komatöse oder demente Menschen nicht (mehr) verfügen.

Viele wollen den Begriff aus der Diskussion streichen und durch andere Kriterien – wie „Werte“ oder der „Menschenrechte“ – ersetzen. Aber Werte sind das Ergebnis von getroffenen Wertungen. Wo das menschliche Leben bloß ein Wert ist, muss es gegebenenfalls höheren Werten weichen. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ sagt das Grundgesetz unter dem frischen Eindruck der Verbrechen des Nationalsozialismus: Einerseits ist sie unverfügbar gegeben, sie kann von Menschen weder durch Würdigung verliehen noch durch Verachtung genommen werden. Andererseits kann sie mit Füßen getreten, verletzt und geschmäht werden.

Woher kommt aber nun die Würde des Menschen? Für die Aufklärung resultierte die Würde des Menschen aus dem sittlichen Anspruch, gut sein zu sollen. Der christliche Glaube sagt, dieses Angesprochensein des Menschen kommt von einem absoluten Du. Es ist sowohl Anspruch als auch Zusage. Gottes Ja zum endlichen und bedingten Menschen ist unendlich und unbedingt. Dass der Mensch – auch noch der letzte, der verachtete, der arme und kranke Mensch – von Gott angesprochen, gemeint und bejaht wird, das gibt ihm Würde. In ihrem Dienst vollziehen die Malteser dieses Ja Gottes zum Menschen mit. Sie geben dem die Ehre, den Gott zuvor „mit Ehre gekrönt“ hat (Psalm 8). Denn Würde ist kein Konjunktiv. Sie ist Indikativ, sie ist Wirklichkeit.

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Geschrieben von Fra Georg LengerkeDruckversion


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