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Was ist hilfreich im Umgang mit Demenz? Das empfiehlt die neue S3-Leitlinie

Wissen_Literatur_02Sie ist so etwas wie der Goldstandard für die Behandlung von Demenzerkrankungen: die S3-Leitlinie. Mittels einer weltweiten Literaturanalyse wird das aktuelle Wissen über demenzielle Erkrankungen erfasst und zusammengetragen; auf dieser Basis geben Deutschlands führende Psychiater, Psychotherapeuten und Neurologen Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie bei einer Alzheimer-Erkrankung, einer vaskulären, frontotemporalen oder Lewy Körperchen-Demenz. Anfang 2016 ist die Leitlinie neu erschienen, und sie kommt zu den folgenden Erkenntnissen und Empfehlungen:

Wenn eine milde kognitive Einschränkung (Mild Cognitive Impairment, MCI) vorliegt, gibt es inzwischen Testverfahren, die mit 85 bis 90 Prozent Wahrscheinlichkeit vorhersagen können, ob sich daraus eine Demenz entwickelt. Das führt zu einem ethischen Dilemma zwischen dem Recht auf frühe Diagnostik verbunden mit der Einleitung möglicher präventiver Maßnahmen und dem Recht auf Nichtwissen. Letzten Endes muss das jeder für sich selber entscheiden. Die Experten raten aber dringend ab von Testverfahren mit dem Ziel, eine mögliche Demenzerkrankung auszuschließen, wenn überhaupt keine Symptome oder Beschwerden vorliegen. Das sei unseriös und wird im übrigen auch von keiner Krankenkasse bezahlt.

Außerdem gibt es kein Medikament gegen MCI. Und auch immer noch keines, das den Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung nachhaltig beeinflusst, obwohl etwa 50.000 Wissenschaftler auf der ganzen Welt daran forschen. Um so bedeutsamer bleibt die Prävention. Dabei empfiehlt Professsor Frank Jessen von der Universitätsklinik  Köln eine ganz einfache Faustregel: „Was dem Herz gut tut, hilft auch dem Gehirn“.

Aus den fehlenden medikamentösen Fortschritten leiten die Experten die Empfehlung ab, die so genannten psychosozialen Interventionen stärker in der Demenz-Versorgung einzusetzen, zumal diese inzwischen ganz gut untersucht und erforscht sind. Dazu gehören kognitive Stimulation, aber auch Ergotherapie, körperliche Aktivitäten und künstlerische Therapien. Der Haken daran: Diese Interventionen werden in der Regel von Kostenträgern nicht erstattet.

Ach ja, noch eine neue Erkenntnis der Leitlinie: Sie verweist auf die zentrale Bedeutung systematischer Beratungs- und Trainingsangebote für Angehörige, damit diese entlastet werden und nicht selber infolge der Pflege erkranken. Diese Unterstützung von Angehörigen ist eine der vier Säulen der Silviahemmet Philosophie, an der sich die Malteser orientieren. Wir schulen und beraten Angehörige, einzeln oder in Kursen, und zielen mit den Entlastungsangeboten wie Besuchsdienst, Café Malta oder Tagesstätte genau darauf ab. Schon seit vielen Jahren.

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Geschrieben von Katharina von CroyDruckversion


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