Weblog der Malteser in Deutschland

Teilhabe statt Ausgrenzung

8. Mai 2013, Prime Time: „Die Auslöschung“ -  ein Film über einen an Demenz erkrankten Kunstprofessor in Wien - setzt die Ausweglosigkeit der Diagnose Demenz und die Angst vor dem Verlust der Selbstbestimmtheit so ins Bild, dass die Selbsttötung am Ende zwingend erscheint.

Sicher, es ist ein hohes Gut, ein eigenständiges Leben führen zu können. Besonders für Intellektuelle, die immer alles unter (geistiger) Kontrolle haben, ist die Vorstellung ein Graus, hilfebedürftig und auf andere Menschen angewiesen zu sein. Und für liebende Angehörige – ob Mann, Frau, Sohn oder Tochter – ist es schmerzlich, mit ansehen zu müssen, wie ein einst funkelnder Geist immer seltener sprüht und sich dann komplett verdunkelt. All dies hat der Film in edlem Ambiente mit tollen Schauspielern als klassische Tragödie inszeniert. Und doch fehlte etwas.

22. Mai 2013, Mitternacht: In einer Talkrunde zum Thema Demenz sagt Helga Rohra, 60, Lewy-body-Demenz seit 6 Jahren: Die Diagnose Demenz ist kein endgültiges Urteil; damit fängt auch etwas Neues an. Und das ist genau das, was der Film zur Hauptsendezeit nicht zeigte: dass die Diagnose kein Todesurteil ist, sondern eine Perspektive bietet.

Dazu bedarf es allerdings einiger Voraussetzungen:
Zunächst einmal einer gründlichen Auseinandersetzung mit der Krankheit – sie wurde in dem Film z.B. nicht einmal richtig thematisiert, nur vornehm angedeutet.
Sich dann soviel Wissen wie möglich über die Demenz aneignen; Wissen baut Ängste ab und panischen Reaktionen vor.
Sich der Tatsache bewusst werden, dass der Demenzkranke zwar geistige Fähigkeiten verliert, aber nicht seine Würde. Dass er Gefühle nicht mehr in schöne Gedichte oder wohlgestanzte Worte fassen kann, sie aber gleichwohl empfindet.
Die Chance zu einem neuen Miteinander sehen, auch wenn es schwierig ist, eine Umkehrung der Rollen zu akzeptieren – vom einst fürsorglichen zum jetzt pflegebedürften Elternteil beispielsweise.
Und den Demenzkranken nicht isolieren, sondern ihn nach seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten weiter einbeziehen. Auch das ist eines der zentralen Anliegen der selber betroffenen Helga Rohra: Demenziell Erkrankte wünschen sich in erster Linie Teilhabe statt Ausgrenzung!

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Geschrieben von Katharina von CroyDruckversion


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