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Palliativmedizin: Ein paar Eisberge der Spitzenversorgung oder ein Meer der breiten Versorgung?

EisbergIn Lausanne ist die weltweit erste Professur für Alters- und Palliativmedizin ausgeschrieben. Der Lehrstuhl soll von drei privaten Stiftungen getragen und für die kommenden zehn Jahre mit etwa 3,2 Millionen Euro ausgestattet werden, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. In dem Beitrag werde ich in meiner Funktion als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin mit der Auffassung zitiert, dass es angesichts des derzeitigen Ausbaustandes der Palliativversorgung für derart spezielle akademische Leuchttürme noch zu früh ist. Wie begründet sich diese Einschätzung?

Wir haben in den letzten 20 Jahren riesige Fortschritte in der Versorgung von Schwerkranken und Sterbenden in Deutschland gemacht, aber es bleiben immer noch große Lücken in der Versorgung: Patienten mit Demenz wie auch andere Patientengruppen mit nicht-tumorbedingten Erkrankungen finden oft keinen Zugang zu einer angemessenen Palliativversorgung, Bewohner von Pflegeeinrichtungen werden in der letzten Lebensphase oft nicht ausreichend versorgt, und in vielen ländlichen Regionen sind spezialisierte Teams, Palliativstationen oder Hospize nur mit sehr langen Fahrtzeiten zu erreichen.

Wir sollten also nicht nachlassen in unseren Anstrengungen, mit dem Ausbau der Palliativversorgung in der Breite damit ein besserer Zugang für möglichst alle Menschen überall im Land gewährleistet werden kann. Dafür ist zunächst einmal tätiger Hilfe notwendig, flankiert von den ehrenamtlichen qualifizierten Hospizdienste gelingen wird, wie sie von den Maltesern breit angeboten wird.

Daneben ist sicher auch ein weiterer Ausbau der Palliativmedizin an den Universitäten notwendig. Bisher haben nur zehn deutsche Universitäten einen Lehrstuhl für Palliativmedizin. Sicherlich ist eine enge Kooperation mit den Onkologen, Kardiologen, Pulmonologen und mit den Geriatern notwendig und sinnvoll. Dennoch sollte Palliativmedizin an den Universitäten jedoch erst mal als eigenes Fach etabliert werden, mit eigenständigen Abteilungen und Professuren an den Hochschulen.

Professor Dr. Lukas Radbruch leitet als Chefarzt das Malteser Palliativzentrum des Malteser Krankenhauses Sel. Gerhard Bonn/Rhein-Sieg, ist Lehrstuhlinhaber für Palliativmedizin an der Universität Bonn und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin

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Geschrieben von Lukas RadbruchDruckversion


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