Weblog der Malteser in Deutschland

Demenzprognosen: Horrorszenario oder Hoffnungsschimmer?

FragezeichenEs scheint paradox: Sobald eine "Volkskrankheit" als solche erkannt ist und über Wochen und Monate Schlagzeilen und Schreckensnachrichten produziert und zum Gegenstand von Filme und Büchern taugt, ist sie keine mehr. Dabei lesen sich doch die Zahlen beängstigend. 2013: 1,4 Millionen Demenzkranke (Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft). 2030: 2,2 Millionen (Bundes-Gesundheitsministerium). 2050: 3,5 Millionen (Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung).

Prognosen zur Zunahme von Demenzerkrankungen basieren auf einfachen biologischen Überlegungen: Die Bevölkerung wird im Durchschnitt immer älter. Die Prävalenz, also das vorherrschende Auftreten von Demenzerkrankungen, steigt mit zunehmendem Lebensalter. Da es keine effektive Therapie gibt, muss die Zahl der demenziell Erkrankten proportional ansteigen. Muss sie wirklich?

Nein, sagen zwei neue Studien aus Großbritannien und Dänemark. Immer mehr Menschen im Alter von mehr als 90 Jahren sind geistig rege und zeigen keine Anzeichen von Demenz, fand das Dänische Institut für Altersforschung heraus. Der Anteil der Demenzkranken ist im Zeitraum von zwölf Jahren von 22 auf 17 Prozent gesunken. Ein ähnliches Ergebnis präsentiert das Cambridge Institute of Public Health. Statt der für das Jahr 2011 prognostizierten Zahl von knapp 885.000 Demenzkranken in England waren es rund ein Viertel weniger.

Warum das so ist? Da gibt es nur Erklärungsversuche. Vielleicht ein Rückgang der vaskulären Demenzen infolge besserer Behandlung von Bluthochdruck- und Cholesterinerkrankungen und sinkender Raucherzahlen, mutmaßt das Deutsche Ärzteblatt. Nur: Das gilt für die älter werdenden Menschen heute, aber nicht für die in den beiden Studien untersuchten Jahrgänge - um 1905 bis 1925 Geborene. Die aßen, was es in harten oder guten Zeiten gerade so gab, und rauchten sogar in Kinderzimmern.

Und was sollen wir jetzt glauben? Dass wir zu wenig wissen. Dass das Krankheitssyndrom Demenz  nicht genug erforscht und deshalb eine gute Grundlage für Spekulationen und Szenarien aller Art ist. Dass zwar viele Zahlen aus seriösen Quellen stammen, aber trotzdem nur Hochrechnungen sind. Dass wir die Zukunft ausmalen, aber nicht vorhersagen können. Und dass es unsere Gesellschaft mit einer solidarischen Grundhaltung und einer pragmatischen Einstellung schaffen wird, mit der zweifellos wachsenden Zahl älterer Menschen und ihrer altersbedingten Einschränkungen fertig zu werden.

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Geschrieben von Katharina von CroyDruckversion


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1 Response »

  1. genug davon, dass Demenz eine "Volkskrankheit" sein soll! Altersbedingte Einschränkungen hat es immer gegeben, meine Eltern sprachen noch mit Respekt von alten Tanten, die bereits "verkalkt" sind, von Krankheit war keine Rede. Es geht nur darum, die alten Menschen in der Gesellschaft aufzunehmen und Ihnen den Respekt vor ihrer Lebensleistung zu erweisen. In unserem Land gibt es immer mehr alte Menschen und immer weniger Familien, die ihre alten Angehörigen versorgen können, daher ist das ganze Problem, vor allem ein finanzielles Problem. Es bedarf sehr viel Geld, um Menschen mit Defiziten zu beherbergen, zu pflegen, ihnen eine soziale Teilhabe, usw, zu ermöglichen. Wir brauchen keine weitern Forschungen zur Ursache von Demenz, keine weitere Panikmache, keine Stigmatisierung,... sondern finanzielle Unterstützung und die Akzeptans, dass Altwerden mit Einschränkungen zwangsläufig verbunden ist.

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