Weblog der Malteser in Deutschland

Ehrenamt vs. Dienstpflicht 2.0: Soll soziales Engagement Pflicht werden?

Malteser-Schulsanitaetsdienst

Sozial engagiert als Plicht? Viele Malteser, wie die Schulsanitäter, sind es freiwillig.

Soll soziales Engagement verpflichtend sein? Mehr als ein Drittel der Bundesbürger ist dafür, dass junge Menschen nach Abschluss ihrer Ausbildung ein soziales Pflichtjahr im Sinne des früheren Zivildienstes absolvieren müssen. So besagt es eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Apotheken Umschau.

Nun ist die Apotheken Umschau eine meistgelesenen Zeitschriften hierzulande, mit einer doppelt so hohen Auflage wie Bild, Spiegel, Stern, Focus und Bunte zusammen! Nur die ADAC Motorwelt ist bisher auflagenstärker. Weil das Blatt nicht auf den Erfolg am Kiosk angewiesen ist, macht es zum Thema, was niemand sonst aufgreift, wie Hämorrhoiden, nächtlicher Harndrang und Co. Dagegen ist nichts einzuwenden.Dennoch stellt sich die Frage: Ist das soziale Engagement nun endlich in der Gesellschaft angekommen – oder rangiert es in den Köpfen der Deutschen künftig erst recht bei den Themen, über die zwar jeder spricht, weil sie alle betreffen, aber nur hinter vorgehaltener Hand? Etwas, das man den Jungen auferlegt, weil die vermeintlich nichts Besseres zu tun haben (außer natürlich als sich schnellstmöglich zur vollwertigen Arbeitskraft heranzubilden, die Rente zu sichern etc.).Damit hätte man der guten Sache einen Bärendienst erwiesen!

Warum also Soziales Engagement als Zwang, als Ersatzdienst 2.0? Wir sind doch gerade erst dabei, Bundesfreiwilligendienst (als Zivildienstnachfolger) zu etablieren. Und dann gibt es ja vor allem (noch) das dauerhafte Ehrenamt, das eine der tragenden Säulen der Gesellschaft ist und ohne das Deutschland schnell zurück in der Eiszeit wäre: Fast jeder Zweite sagte in derselben Umfrage auch, dass gerade unter jungen Menschen viele bereit seien, sich freiwillig für das Gemeinwohl zu engagieren. Na bitte! Ehe man über die Wiedereinführung einer Dienstpflicht nachdenkt, sollten wir zunächst alles versucht haben, die Menschen davon zu überzeugen, dass soziales Engagement sich lohnt. Das wäre sicherlich der nachhaltigere Weg zu einer Gesellschaft mit sozialem Gewissen.

Vier von fünf Befragten sind der Ansicht, dass soziales Engagement bereits im Schulunterricht besonders verlangt und gefördert werden sollte. Das klingt vernünftig und dazu gibt es ja auch interessante Ansätze, zum Beispiel die Initiative sozialgenial in Nordrhein-Westfalen oder auch den Schulsanitätsdienst. Hier lernen Schüler in der Schulzeit durch soziales Engagement fürs Leben. „Service Learning“ verfolgt genau diesen Ansatz: Bekannt machen, Sinn vermitteln und für ein Engagement motivieren – je früher, desto besser. Denn wer gute Erfahrungen gemacht hat (und die sollten nicht zwangsweise erfahren werden), engagiert sich auch im späteren Leben mit hoher Wahrscheinlichkeit.

Muss man dabei immer bloß an die Jugend denken? Engagement kann und darf in jedem Lebensabschnitt Spaß machen. Spaß und Zwang schließen einander jedenfalls aus! Darum gilt gerade auch für die älteren Generationen: jetzt engagieren und Vorbild sein! Dann klappt’s auch mit den jüngeren. Die Malteser tragen ihren Teil dazu bei und wollen mit spannenden Aufgaben und guten Rahmenbedingungen für ein Engagement begeistern – Junge und Junggebliebene.

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Geschrieben von Markus PetersDruckversion


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2 Responses »

  1. Der Geist des Ehrenamtes ist in der Gesellschaft in Deutschland verankert wie in wenigen anderen Ländern dieser Erde. Allerdings ist es auch aus meiner Sicht in der deutschen Mentalität so, dass alles geregelt, verordnet und bestimmt werden muss. Ich in meinem Ehrenamt sehe aber auch durchaus die Vorteile für mich (Reputation, Einsatzmöglichkeit meiner Fähigkeiten und Erlangung von positiver Bestätigung für meine Arbeit, die mir ein gutes Gefühl vermittelt). Dieser Aspekt in der Arbeit im Ehrenamt sollte nicht verschwiegen werden. Wenn wir es schaffen, die Menschen auch ihre eigenen Vorteile im ehrenamtlichen Engagement erkennen zu lassen und dies nicht als Egoismus sondern als gesundes Selbstinteresse zu verorten gewinnen wir zusätzliches Ehrenamt.

    Die hier durch Herrn Peters angestoßene unterschwellige Förderung des Ehrenamtes in Schulen ist ein Schritt. Verwaltungen, Firmen und jeder Bürger selbst kann aber auch durch Maßnahmen wie Teilnahme an Social Days, direkte und indirekte Werbung auf die Wichtigkeit des Ehrenamtes für ihn in guten wie schlechten Zeiten aufmerksam gemacht werden.

    Wenn ich selbst in der Lage bin, mich zu engagieren baue ich durch mein Engagement ein "Guthaben" auf, dass die Gesellschaft als gutes Beispiel wahrnimmt. Diesem Vorbild kann nachgeeifert werden und so werden durch das gute Vorbild des Einen immer mehr und mehr Vorbilder neu entstehen. So vergrößert sich das volkswirtschaftliche Guthaben und damit wird es einfacher, mehr Ehrenamt zu leben, da es als positiv für andere wie für mich gesehen werden kann.

    Die bestehenden Strukturen im Ehrenamt müssen offen und nicht reißerisch über ihre guten Wege und Werke berichten, der Bürger darf sich dieser guten Beispiele annehmen und sie als Aufforderung zu eigenem Einsatz im Ehrenamt verstehen. Mein Wunsch wäre es, dass wir so auch einen Geist des eigenen positiven Vorteils in unseren Köpfen säen können und nicht immer nur nach der Zwangsregelung durch den Staat verlangen.

    • Direkt dazu: in unserer Videowall "Ehrenamtliche erzählen" berichten Malteser authentisch über ihr Engagement und was sie dabei antreibt.

      Im Übrigen gebe ich Urs Middendorf natürlich völlig recht; es gibt viele gute Einflugschneisen, heute vielleicht noch nicht Engagierte für eine ehrenamtliche Aufgabe zu begeistern. Die Schule ist nur ein Weg. Sich für andere zu engagieren, bringt mir immer auch selbst etwas. Wer behauptet, früher war mehr Altruismus, sitzt vergangener Rhetorik auf. Das ist ja gerade das Schöne am Ehrenamt - dass alle etwas davon haben... ganz im Sinne eines "gesellschaftlichen Guthabens"!

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