Weblog der Malteser in Deutschland

Demenz oder dement? Wie Sprache prägt

Auf Hilfe und Verständnis angewiesen

... mit Demenz

In den letzten Jahren ist eine Debatte über sprachliche Ausdrucksformen in Gang gekommen, die von vielen noch als exotisch aufgenommen wird. Reden wir beispielsweise vom Rollstuhlfahrer oder vom Mann im Rollstuhl? Geht es um die Gallenoperation oder um die Frau, die zur Gallenblasenoperation ansteht? Und reden wir vom Dementen oder von der Person mit einer Demenzerkrankung oder dem Patienten mit der Diagnose Demenz?Zentrales Anliegen in dieser Diskussion ist es, den Blick auf den Menschen zu lenken und nicht die Diagnose oder Einschränkung in den Vordergrund zustellen. Oder anders gesagt, den Menschen nicht über seine Einschränkungen zu definieren.

Im Themenfeld der Demenzerkrankungen hat sich eine Sprache etabliert, die nicht nur die Diagnose über die Person stellt, sondern gleichzeitig auch noch einen Begriff salonfähig gemacht hat, der stigmatisierend ist: Dement oder der Demente. Wer möchte schon, dass von ihm oder einer Angehörigen so gesprochen wird?

Menschen mit einer Demenzerkrankung haben so genannte kognitive Einschränkungen auf Grund einer Erkrankung des zentralen Nervensystems, als Folge einer Gefäßerkrankung oder oder oder. Es gibt mehr als einhundert bekannte Ursachen für eine Demenzerkrankung.

Menschen mit einer Demenzerkrankung bleiben aber Person mit der ihnen eigenen, innewohnenden Würde und ihren Gefühlen bis zum Schluss. Dass die sie Umgebenden manchmal Probleme haben sie zu verstehen oder manche Ausdrucksformen befremdend erleben, hat etwas mit erschwerter Kommunikation und dem Erlernen von neuen Begegnungsformen zu tun. Das aber sollte uns anspornen und herausfordern und nicht uns verführen zu denken: "Der ist dement. Der versteht mich sowieso nicht."

Zugegeben, es ist ein mühsamer Weg, Sprache zu verändern, aber es lohnt sich.

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Geschrieben von Dr. Ursula SottongDruckversion


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