Weblog der Malteser in Deutschland

„Dafür bist du noch zu klein!“ Der Tod, kein Thema für Kinder?

Kinder werden in unserer GesellschaftMalteser Kinderhospiz Jugenhospiz oft intuitiv von den Sterbenden und Toten ferngehalten. Ist nicht einer unser ersten Impulse, Kinder zu schützen und sie vor Unheil bewahren? Den Gedanken, mit so etwas könne man ein Kind nicht belasten, kennen sicher die meisten von uns. Im Vorfeld einer Beerdigung haben wir es gehört und vielleicht auch selbst schon gesagt: „Dafür bist Du noch zu klein“

Aufwändig und mit viel Fantasie wird versucht, Kindern und Jugendlichen zu verheimlichen, dass Mama oder Papa schwer krank sind, dass Opa oder Oma im Sterben liegen. Wie wenig Möglichkeiten haben dann Erzieher und Lehrkräfte in Kindertagesstätten, Schulen und Nachmittagsbetreuungen, das Verhalten von Kindern und Jugendlichen einzuordnen, weil sie nicht wissen können, dass jemand (ein Mensch) oder etwas (ein geliebtes Haustier) aus dem nahen Umfeld gestorben ist. Wenn der Tod dann doch einmal unerwartet in die Kindergruppe oder Schulklasse hereinbricht, stehen auch pädagogische Profis meist hilflos da, wie Catrin Kurtz im Lehrer-Blog der Süddeutschen Zeitung schreibt:

„Trauerarbeit zu leisten, sensibel mit den Kindern umzugehen, fordert sehr viel Fingerspitzengefühl und ist eine der Herausforderungen dieses Jobs, auf die einen niemand während des Studiums vorbereitet. Wahrscheinlich auch, weil die Schule ein Ort der Jugend und des Lebens ist, wo man nicht mit dem Tod rechnet. Solche Ereignisse platzen in den Lehreralltag und fordern erst mal die ganze Aufmerksamkeit ein. Sei es, dass eine Schülerin ums Leben kommt, ein Elternteil eines Schülers stirbt oder ein Jugendlicher Suizid begeht“

In 20 Jahren der ambulanten Kinder- und Jugendhospizarbeit, in Trauerbegleitungen für Kinder und Jugendliche und bei der Begleitung von Kindern und Jugendlichen, die von ihren sterbenden Eltern Abschied nehmen müssen, haben wir die Erfahrung gemacht, dass Kinder und Jugendliche fähig sind trotz des Schmerzes zu leben, die eigene Stärke zu entdecken und die Kraft zu entwickeln, mit dem Unausweichlichen gut umzugehen  – besonders dann, wenn sie sich wahrgenommen und ernst genommen fühlen.

Kinder und Jugendliche haben oft ein gutes Gespür für das, was ihnen gut tut. Oft hilft es ihnen, wenn sie hören, dass das Chaos oder das Wechselbad der Gefühle eine "normale" Reaktion auf einen Verlust sind und sie deshalb nicht "verrückt" sind.Wir sollten einen aber Raum und Zeit anbieten, sich mit dem Verlust, mit ihrer Trauer und mit ihren Sorgen auseinander zusetzen, statt ihnen die Gelegenheit dazu in bester Absicht zu versagen.

Als größter Träger der ambulanten Kinder- und Jugendhospizarbeit in Deutschland sehen sich die Malteser in der Verantwortung, genau solchen Umgang zu fördern. In dem deutschlandweiten Modellprojekt „Gib mir `nen kleines bisschen Sicherheit – die Unsicherheiten des Lebens und Sterbens teilen“ haben erfahrene Hospizhelfer und Fachkräfte über mehrere Jahre hinweg nach Wegen gesucht, mit Kinder und Jugendlichen für Tod und Trauer gute und stärkende Ausdrucksformen zu finden.

Auf vielfältige Weise haben sich Kinder und Jugendliche, ihre Eltern und ihre Lehrer berühren und bewegen lassen. Sie haben eigene Ausdrucksformen gefunden und erlebt, dass es das Leben bereichern kann, sich dem Thema zustellen. Daraus ist jetzt das Buch „Tod –kein Thema für Kinder? Verlust und Trauer im Leben von Kindern und Jugendlichen zulassen, erfahren, teilen“ entstanden; ein Praxisbuch für alle, die betroffen sind, Betroffene begleiten oder sich für das Thema interessieren.

Das Praxisbuch erscheint pünktlich zur Fachtagung „Gib mir ´nen kleines bisschen Sicherheit“ am 14. Juni in der Malteser Kommende Ehreshoven bei Köln ein. Die Malteser, der Deutsche Hospiz- und Palliativverband e.V. sowie die Alpen-Adria Universität Klagenfurt und das Institut für Palliative Care und OrganisationsEthik Wien laden alle Interessierten dazu ein, sich von den unterschiedlichen Projekten inspirieren und ermutigen zu lassen. Vor allem aber laden wir dazu ein, sich mit Kindern und Jugendlichen gemeinsam auf den Weg des Lebens zu begeben, zu dem Sterben, Tod und Trauer gehören. Denn dafür ist es nie zu spät.

Infos und Anmeldung zur Fachtagung

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Geschrieben von Dirk BluemkeDruckversion


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2 Responses »

  1. Sehr schöner Beitrag zum Thema Kinder und Trauer. In meiner Arbeit als Bestattungsinstitut habe ich auch schon sehr oft die Trauer von Kindern und Jugendlichen erlebt. Der richtige Umgang mit ihrer Trauer und die Unterstützung und Anteilnahme gibt gerade ihnen wieder neuen Mut und neue Kraft. Sehr richtig finde ich auch die Ehrlichkeit, denn wir schützen Kinder nicht, wenn wir sie belügen. Der Tod ist ein wichtiges Thema aus dessen Umgang man gestärkt gehen kann.
    Liebe Grüße von der Trauerhilfe Denk

  2. Hallo,
    ich bin 15 1/2 und mein Vater ist Bestatter. Er hat das von meinem Opa übernommen, also ist das Thema Tod fest in unsere Familie etabliert. Ich finde man sollte, wenn das Interesse von den Kinder kommt auf die sagen eingehen und nicht um den heißen Brei rumreden, da ich schon früh mit dem Thema Kontakt hatte und es mir in keiner weise geschadet hat. Im gegenteil, als meine Oma nach langer Krankheit gestorben ist, konnte ich damit irgendwie besser umgehen als meine Cousinen, obwohl sie alle über 18 waren. Normalerweise werden Kinder auch erst mit dem alter 15-30 mit dem Tod von ihren Großeltern in Kontakt kommen, und daher finde ich das man auch im Grundschulalter auf das Thema eingehen sollte. Im Kindergartenalter entwickeln sich ja auch schon die ersten Fragen zu dem Thema, die auch immer offen beantwortet werden sollten.

    Ich kann Familien nicht verstehen die ihren Kinder fast verbeten darüber zu sprechen und es ein tabu Thema ist. Die Kinder sollten lernen damit umzugehen, da es ein natürlicher Prozess des Lebens ist. In einem Bericht hatte ich gelesen das, wenn man den Kindern den Tod "verbietet" es so ist als würde man ihnen das leben verbieten.
    Den Spruch finde ich sehr passend. Das ist meine Auffassung vom Tod und ich kann jedem empfehlen frei über den Tod zu reden, wie es bei uns üblich ist, auch über andere verstorbene mit denen ich gar nichts zu tun habe

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