Weblog der Malteser in Deutschland

Bundesfreiwilligendienst: Engagement, nicht Billigjob

Bis zu 250 Bundesfreiwillige über 27

Freiwillig bei den Maltesern: Bis zu 250 Plätze für Bundesfreiwillige über 27 Jahre bieten die Malteser insgesamt an.

Der Bundesfreiwilligendienst für Menschen jenseits des Jugendalters startete als Experiment, das auch die Malteser mit Spannung verfolgt haben und nun seit drei Jahren aktiv mitgestalten. Mittlerweile ist der „ü27“-Freiwilligendienst in der Gesellschaft angekommen, was sich auch daran zeigt, dass der Dienst öffentlich diskutiert wird, zuletzt im SPIEGEL. Viel Aufmerksamkeit gilt hier der Frage, ob der Dienst dem Gebot der Arbeitsmarktneutralität gerecht wird oder ob dadurch nicht Langzeitarbeitslose ausgenutzt werden, wie Kritiker argwöhnen. Was sagen die Fakten?

Zunächst gilt: Der Dienst steht jedem offen, der mindestens 20,5 Wochenstunden einsetzen kann. Das ist in aller Regel bei Menschen im Ruhestand gegeben – oder eben bei Menschen ohne Arbeit. Bei den Maltesern war tatsächlich jeder zweite Freiwillige über 27 zuvor arbeitslos; dies entspricht etwa der Größenordnung im Bundesdurchschnitt. Unsere regelmäßigen Erhebungen zeigen: Unsere „ü27“-Freiwilligen finden über Medienberichte, Mundpropaganda und Werbung der ortsansässigen Dienststellen zum Dienst. In drei Jahren gab nur ein einziger Freiwilliger an, von der Arbeitsagentur auf den Dienst aufmerksam gemacht worden zu sein. Es scheint also, als hielten die Arbeitsagenturen die bundesweite Vereinbarung ein, den Freiwilligendienst Arbeitslosen nicht als Beschäftigungsmöglichkeit oder arbeitsmarktpolitische Maßnahme anzubieten.

Man sollte sich davor hüten, die Leistungen der Arbeitslosen im Bundesfreiwilligendienst pauschal als „Billigjob um jeden Preis“ abzutun. Hier wagen sich Menschen freiwillig in oftmals neuartige Tätigkeiten. Bei den Maltesern engagieren sich vier von fünf älteren Freiwilligen in sozialen Diensten für alte und behinderte Menschen, also in Fahrdiensten, im Menüservice, in der Betreuung und im Hausnotruf. Die Erfahrung lehrt, dass sie dies mit Verantwortungsbewusstsein und Begeisterungsfähigkeit tun. Bei den Maltesern verlängert jeder vierte BFDler über 27 seinen Dienst freiwillig.

Und wie steht es um die Arbeitsmarktneutralität? Sicherlich ist diese stets zu prüfen, um Fehlentwicklungen gegenzusteuern. Dennoch verhindert gerade dieses Gebot meist eine Festanstellung nach Dienstende, obwohl sich viele Arbeitslose diese erhoffen. Denn ein Freiwilligenplatz darf nur dort angeboten werden, wo die Einrichtung einer festen Stelle nicht möglich ist, meist weil der Kostenträger diese nicht finanziert. So bleibt es hinsichtlich der Beschäftigungschancen meist bei dem positiven Effekt, den der Erwerb neuer Kenntnisse, Qualifikationen und Schlüsselkompetenzen durch die Tätigkeit selbst und durch mindestens 12 Bildungstage haben kann: Ein Personalchef, der die Wahl hat zwischen einem Bewerber, der während seiner Arbeitslosigkeit lediglich Zwangsmaßnahmen der Arbeitsagentur absolviert hat, und einem Bundesfreiwilligen, der sich bis zu achtzehn Monate für andere engagiert hat, wird kaum zweimal überlegen.

Freiwillige helfen, wie auch Ehrenamtliche dabei, das soziale Netz engmaschig zu halten, dass für hilfsbedürftige Menschen auch im ländlichen Raum noch Menüs zu bezahlbaren Preisen ausgefahren werden können und andere Dienstleistungen verfügbar sind, die die Teilhabe am normalen Alltag erleichtern. Dies ist Zivilgesellschaft im besten Sinne, in der nicht alles der staatlichen Vorsorge überlassen wird, die nur Mindestansprüche sicherstellen kann und dafür strikte Rahmenbedingungen diktiert – etwa dass der alte Mensch eben nicht zuhause wohnen bleiben kann, wenn er sich nicht mehr selbst versorgen kann.

Der medial gut vernehmbare Ruf mancher Kritiker, sämtliche 100.000 Freiwilligenplätze durch reguläre Arbeitsplätze zu ersetzen ist nicht finanzierbar; das Argument, hier würden Menschen „ausgebeutet“ , verkennt die sinnstiftende Komponente des freiwilligen Engagements deutlich. Würde nur der ü27-Freiwilligendienst mit seinen bundesweit höchstens 20.000 Plätzen abgeschafft, wäre kaum zu erwarten, dass dafür Arbeitsplätze für die zuvor arbeitslosen Bundesfreiwilligen in relevanter Größenordnung geschaffen werden. Was aber wäre dann mit den rund 10.000 übrigen Bundesfreiwilligen, den Vorruheständlern und Rentnern, den Menschen in einer Umbruchs- und Orientierungsphase? Sie würden wieder aus dem bürgerschaftlichen Engagement verdrängt – und mit ihnen viele Hilfsangebote, die auf ehrenamtliche oder freiwillige Unterstützung angewiesen sind.

Die Malteser beschäftigen bundesweit etwa 800 Freiwillige im Bundesfreiwilligendienst und bieten bis zu 250 Freiwilligen ab dem 27. Lebensjahr einen Platz in Voll- oder Teilzeit anbieten. Infos unter www.malteser-freiwilligendienste.de.

 

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Geschrieben von Sabine UlonskaDruckversion


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