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Big Brother is watching – jetzt auch Menschen mit Demenz?

Eine Mitteilung von der gerade zu Ende gegangenen Fachmesse Medica in Düsseldorf lässt aufhorchen: Da offeriert eine Sicherheitsfirma „integrierte Dementen-Schutzsysteme auf der Basis drahtloser Echtzeit-Lokalisierungssysteme (RTLS Real-time-Location-Systems) für die sichere Betreuung von Menschen mit Demenz.“ Weiter wird geworben mit einem „unterstützenden Dementen-Schutzprogramm“, das eine intelligente Personenschutz-Lösung biete, um den Aufenthaltsort von verirrten Demenzpatienten jederzeit zuverlässig zu lokalisieren.

Die hier skizzierte schöne neue Welt wird als Lösung für Krankenhäuser und Altenpflegeeinrichtungen in Zeiten des Effizienzdrucks und Pflegenotstands verkauft.

Unbestritten ist, dass Patienten mit Lauftendenz und Orientierungsschwierigkeiten Pflegeeinrichtungen vor große Herausforderungen stellen.

Aber statt Demenzpatienten mit zusätzlich verwirrenden Transpondern und Stationen flächendeckend mit Infrarotsensoren auszurüsten, muss doch viel mehr in „Manpower“ investiert werden: in die Aus- und Weiterbildung sowie in die Schulung aller Mitarbeiter, die mit demenziell Erkrankten umgehen.

Darüber hinaus brauchen sowohl die Krankenhäuser als auch die Pflegeeinrichtungen einen Personalschlüssel, der eine würdige, zugewandte Patientenbegleitung erlaubt und nicht bloß die notdürftige "Sicher+Sauber-Methode" ermöglicht. Außerdem sollten die Abläufe in den Krankenhäusern den Bedürfnissen der Demenzpatienten angepasst werden – nicht umgekehrt. Dann hätten auch Pflegekräfte wieder Freude statt Frust bei der Arbeit.

Die Überschrift der Mitteilung lautet übrigens „Mehr Lebensqualität für Menschen mit Demenz“. Ach wirklich?

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Geschrieben von Katharina von CroyDruckversion


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1 Response »

  1. Guten Tag Fr.v. Croy,

    ich bin ebenfalls kein Freund von solchen Sicherungssystemen, denn mehr Lebensqualität für Menschen mit Demenz bieten sie auf gar keinen Fall. Man stelle sich vor, es wird ein Alarm ausgelöst und keiner geht hin.
    Solche Systeme müssen immer mit "Augenmass" eingesetzt werden, ansonsten täuschen sie eine falsche Sicherheit vor und entbinden nicht von konsequnter Personalauswahl, denn Pflegen kann nicht jeder, und Fort - und Weiterbildung der Menschen, die täglich mit diesen Menschen umgehen.

    Gruß
    Ingo Jakobs
    Silviahemmet (1.Generation :))

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