Weblog der Malteser in Deutschland

Ärztlich assistierter Suizid – eine wirkliche Alternative?

Ist der ärztlich assistierte Suizid eine wirkliche Option? Nein. Warum? Es ist schwer aus christlichen Verständnis sich damit abzufinden, dass Menschen Suizid begehen. Jeder dieser Tode ist letztlich eine Anfrage an die Lebenden und Zurückbleibenden, auch wenn keiner dem anderen die Verantwortung für sein Leben abnehmen kann. Eine Unterstützung zu geben und hierbei mitzuhelfen, widerspricht einer christlichen Haltung, das Leben als Aufgabe zu begreifen und darauf zu vertrauen, dass unser Leben auch in seinem Leid in Gottes Hand liegt. Es gehört zur uralten christlichen Tradition mit dem Leidenden auszuhalten, mit ihm zu klagen und ihn nicht alleine zu lassen. Deshalb setzen sich die Malteser für einen anderen Umgang mit sterbenden und trauernden Menschen und für den Ausbau einer ganzheitlich orientierten Hospiz - und Palliativumsorgung ein.

Hat ein sterbenskranker Mensch das Recht sich das Leben zu nehmen? Ja. Darf ein Arzt diesen Suizid begleiten und hierfür die dazu notwendigen Medikamente zusammenstellen und besorgen? Ja, nach unserer Rechtsprechung ist die Beihilfe zum Suizid straffrei. Allerdings: Das Standesrecht der Ärzte spricht sich gegen den ärztlich assistierten Suizid aus und droht mit dem Entzug der Approbation.Vorschau

Die Malteser sprechen sich in diesem Graubereich gegen den ärztlich assistierten Suizid aus. Unsere Position begründet sich u. a. darin:

  1. Die Endgültigkeit des Todes lässt keine Umkehrbarkeit der Situation zu.
  2. Wer garantiert, dass alle Möglichkeiten, Lebensqualität zu verbessern bzw. zu stabilisieren tatsächlich geprüft wurden?
  3. Wie ist sicher zu stellen, dass der soziale Druck der Familie, von Angehörigen und der eigene Wunsch nicht zur Last fallen zu wollen, nicht maßgeblich die Entscheidung geprägt hat? Dies lässt zumindestens offen, wie selbstbestimmt eine solche Entscheidung sein kann.
  4. Wie kann verhindert werden, dass ein gesellschaftlicher Druck erzeugt wird, dass "ein vermeintlich nicht mehr Nutzen bringendes Leben" als Last zukünftiger Generationen gewertet und deshalb eine moralische Verpflichtung zur "Selbstentsorgung" entsteht?
  5. Die Rolle des Arztes zu heilen und zu lindern muss eindeutig bleiben. Ansonsten droht sich das Rollenbild des Arztes und seine Ausnahmestellung als Vertrauensperson im Krankheitsprozess für immer so zu verändern, dass er nicht mehr als Garant für das Leben wahrgenommen wird.

Aber: Die derzeit vorgesehene gesetzliche Regelung, die einen kommerziell motivierten assistierten Suizid verbieten soll und die Beihilfe seitens naher Angehöriger legitimiert, löst die offenen Fragen, die hinter der Suizidabsicht eines sterbenskranken Menschen stehen, nicht. Wir benötigen vielmehr eine Diskussion, die die Möglichkeiten der Hospiz- und Palliativangebote sowohl physisch und psychisch als auch spirituell und sozial aufzeigt und dem leidenden Menschen zugewandt bleibt. Dies schließt ein, dass es menschliches Leid gibt wie auch Situationen, in denen wir aushaltend sind,  ohne dass wir immer eine Antwort geben können. Jeder Mensch hat ein Recht darauf in solchen Grenz-Situationen einen Menschen an seiner Seite zu spüren.

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Geschrieben von Dirk BluemkeDruckversion


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